Wir sagen Ihnen die Interior-Zukunft voraus
1. Dorian Gray richtet ein
Longevity ist aktuell in aller Munde. Angeführt von der guruartigen Heilsbringerfigur Bryan Johnson, der für sich selbst das Mantra „Ich sterbe nicht“ zum Lebensziel auserkoren hat, sprießen KI-Applikationen, Kliniken und Wellnesstempel aus dem Boden, deren Ziel nicht mehr kurzzeitige Entspannung und Flucht vor dem Alltag ist, sondern: Unsterblichkeit.
Bleibt die spekulative Frage: Wie richtet man sich ein für die Ewigkeit? Hier ein paar Vorschläge:
Verzichten Sie auf Spiegel – und auf alles, was ein Abbild erzeugt. Das mag widersprüchlich klingen, schließlich leben Sie ja für immer, aber wer weiß in welchem Zustand? Nicht umsonst verstaute die Romanfigur Dorian Gray sein Porträt, das sein tatsächliches Alter zeigte, in einer dunklen Ecke. Gefragt sind also matte Flächen, zum Beispiel Textiles wie der „St. Tropez Rug“ von Eileen Gray oder der „Mars Chair“ von Konstantin Grcic, der komplett mit Stoff überzogen ist – beide erhältlich bei ClassiCon.
Matte Flächen zur Beruhigung: Links der St. Tropez Rug von Eileen Gray für ClassiCon, Foto: Mark Seelen © Manufacturer ClassiCon authorised by The World Licence Holder Aram Designs Ltd. / ClassiCon. Rechts: Mars Chair von Konstantin Grcic für ClassiCon, Foto: François Halard © ClassiCon.
Auch nicht verkehrt: Bleiben Sie flexibel. Systemmöbel können sich immer wieder an eine sich ständig wandelnde, ewig währende Existenz anpassen. Wie wäre es also mit einem Investment in ein USM-Regalsystem? Ja, der Chrom spiegelt – aber die neu erschienenen Soft Panels machen das wieder wett und sorgen gleichzeitig für eine akustisch wohltuende Atmosphäre. Ideal, wenn die Hörleistung vielleicht nicht ganz mit dem Selbstanspruch der gestoppten Vergänglichkeit mithalten möchte.
Das USM Haller Soft Panel verspricht eine verbesserte Raumakustik und kann einfach mit vier Magneten an das bestehende Regalsystem befestigt werden. Foto: USM Haller
2. Diese Klassiker werden Sie 2026 besitzen wollen
Die Postmoderne hat viel zu lange ein Schattendasein im gegenwärtigen Interior Design geführt. Wir sagen ihr Comeback voraus – und das fernab der italienischen Memphis-Klassiker. Wir denken eher an ihre frühesten Anzeichen aus den 1960er-Jahren. Investieren Sie also schon heute in einen Heart Cone Chair von Verner Panton – der passenderweise in einer Jubiläumsausgabe neu aufgelegt wurde, anlässlich des 100. Geburtstags Pantons am 13. Februar 2026 – in einer Version, deren Vorder- und Rückseite unterschiedliche Blautöne tragen.
Postmoderner Pop: Der Heart Cone Chair von Verner Panton. Foto: Vitra
Aber auch in der Hochzeit der Postmoderne sind Klassiker zu finden, wie das konzeptuelle Stück „Gespanntes Regal“ von Wolfgang Laubersheimer, Mitglied der Gruppe Pentagon. Das Regal ist bei Nils Holger Moormann erhältlich und macht – trotz klarer zeitlicher Verortbarkeit – seine plakative Stärke zu einem Klassiker mit Revivalpotenzial.
Das eigenwillige Gespannte Regal von Wolfgang Laubersheimer verdient in diesem Jahr sein Comeback. Foto: Nils Holger Moormann
Rein aus Liebe zur Einfachheit muss dieser Hidden Champion mit auf die Liste der neuen alten Klassiker: „LC14 Tabouret Cabanon (Maison du Brésil)“ von Le Corbusier. Dieses Sitzmöbel ist im Grunde einfach eine Box, ursprünglich entworfen für ein Studentenwohnheim und wohl ein Produkt von Corbusiers Faszination für gefundene Objekte. Bei Cassina ist „Tabouret Cabanon“ in verschiedenen Versionen erhältlich.
Ikonische Strenge: „Tabouret Cabanon“ von Le Corbusier. Foto: Cassina
3. Wir nisten uns ein: Cocooning
Dieser Trend ist nicht ganz neu, wird aber durchaus neu interpretiert – zum Beispiel in Form von fiktiven, KI-generierten, riesigen Gemüseobjekten, in die man sich gemütlich betten kann. Cocooning versteht sich allgemein gut mit dem „Blow-up“, also dem übergroßen „Aufblasen“, also Überzeichnen von Dingen. Wer sich wie im Kokon fühlen will, muss schließlich auch hineinpassen.
Ein Nickerchen in der Knoblauchzehe gefällig? Mit KI generierte Videos zeigen, wie Cocooning aussehen könnte. Abbildungen: aidreamcode / Instagram.
Ein Klassiker, der dieses Bedürfnis vielleicht stillen kann, ist der Sessel UP 50 von Gaetano Pesce – noch dazu ein politisches Statement-Piece. Was viele nicht wissen: Er symbolisiert die an das Heim gekettete Frau.
Fröhlicher Entwurf mit ernstem Hintergrund: UP 50 von Gaetano Pesce. Abbildung: B&B Italia
In diesem Sinne: ein frohes neues Jahr 2026!
Übrigens: Die Interiortrends der vergangenen Monate finden Sie in unserem idd-inspiration-Archiv .
Autor
the thing Agency