Köln: 27.–31.10.2026 #iddcologne

DE Icon Pfeil Icon Pfeil
DE Element 13300 Element 12300 EN
Blüten? Im Interior-Frühling? Revolutionär!

Florale Perspektiven

Seite teilen
DruckenSeite drucken Lesedauer ca. 0 Minuten

Aus botanischer Perspektive ist „Blume“ kein akkurater Begriff. Präziser wäre wohl Blüte, Blütenpflanze oder, je nach Kontext, Staude oder Gehölz. Doch als Bild ist die Blume kraftvoll. Sie steht für Farben, Blüten, Natur und Vielfalt. Symbolisch verkörpert sie das Leben – und dessen Vergänglichkeit, denn jede Blume verwelkt, früher oder später. Im Frühling jedoch wird die Blume zum Zeichen des Aufbruchs. Sie markiert das Ende der dunklen Jahreszeit, weckt Hoffnung auf Wandel und schenkt Glücksgefühle.

Seit einigen Jahren feiert die Blume ein Comeback als künstlerisches Ausdrucksmittel. Gestalter:innen, Art-Direktor:innen und Szenograf:innen inszenieren sie nicht mehr nur als kleine Geste, sondern als Skulptur. Und auch im Interiordesign bleibt die Blume eine gern gesehene Gästin, ja geradezu eine Konstante.

Deswegen haben wir für Sie Wohnobjekte, Gegenstände und Arrangements zusammengetragen, die die Blume in all ihren Facetten zum Leben erwecken: vom abstrakten Zitat bis zur konkreten Form.

Rosa, blumenförmiger Sessel auf einer hellen Terrasse vor einer Glas­tür und Pflanzen.

Guframs Flowie erinnert an die verspielte Formensprache der 1990er-Jahre. Foto: Gufram

Mit Blumen arbeiten: Florale Arrangements

Links: Florales Arrangement mit rosa Blüten und verzweigten Zweigen. Rechts: Skulpturales Blumenarrangement mit hängenden Pflanzen und geschwungenen Zweigen.

Arbeiten der Wiener Blumendesignerin und Floristin Alma Bektas. Fotos: Alma Bektas (links), Markus Toll (rechts).

Es gibt Elemente in der Raumgestaltung, die wie ein Katalysator wirken. Ähnlich wie das Entzünden einer Kerze erlaubt uns der klassische Blumenstrauß eine unmittelbare, zeitlich begrenzte Veränderung unserer Umgebung. Er ist das flexibelste Werkzeug für alle, die ihr Zuhause lieben, aber den ständigen Wandel suchen. Blumen sind Farbtupfer, die die Dynamik eines Raums verändern können.

Ein Blick auf die aktuellen Trends in der Floristik lohnt sich also – doch er verlangt auch kritisches Hinterfragen. „Die Konkurrenz in diesem Bereich ist enorm, und Trends verbreiten sich durch Social Media rasant“, sagt die Wiener Floristin und Blumendesignerin Alma Bektas. In den letzten Jahren etwa war es Mode, skulpturales Obst und Gemüse in florale Arrangements einzubauen – nachhaltig ist das kaum. Bektas wählt für ihre Installationen einen anderen Ansatz. Sie setzt zunehmend auf Materialien, die über die Frischezeit der Blumen hinaus bestehen: verholzte Zweige und getrocknete Pflanzenteile, ergänzt durch wenige frische Blüten. So entstehen oft raumfüllende Gebilde, die wirken, als seien sie organisch gewachsen, und ihre Betrachter:innen in surreale, rätselhafte Welten entführen.

Links: Arrangement aus dunklen Zweigen, getrockneten Pflanzen und kleinen Blüten vor rotem Hintergrund. Rechts: Experimentelle Blumeninstallation mit großer Blüte und moosartigen Ranken.

Arbeiten von Alma Bektas. Für „Grane“ (serbisch für „Zweige“, links) arbeitete die Floralkünstlerin mit getrockneten Zweigen und Pflanzenresten sowie Metall und lebendigen Pflanzen. Fotos: Alma Bektas (links), Erli Grünzweil (rechts).

Von Blumen inspiriert: Frisches Produktdesign

Rosa, blumenförmiger Design‑Sessel vor hellem Hintergrund.

Guframs Flowie erinnert an die verspielte Formensprache der 1990er-Jahre. Foto: Gufram

„Blüten? Im Frühling? Revolutionär!“, lautet ein berüchtigt-ironischer Satz aus dem Film „Der Teufel trägt Prada“. Was in der Modewelt also nur ein müdes Lächeln hervorruft, hat in Design und Kunsthandwerk eine bewegte Geschichte: Florale Ornamente, im Jugendstil gefeiert, stempelte die Moderne – allen voran Adolf Loos – als „Verbrechen“ ab. Doch dank der Postmoderne ist das Blütenzitat heute wieder im zeitgenössischen Design zurück. Daran erinnert auch der Hocker „Flowie“ von Gufram: Hier werden Erinnerungen an die verspielte Form- und Farbenwelt der 1990er-Jahre wach. Einen ganz anderen Ansatz verfolgt die Designerin Flora Lechner. Ihr Name ist Programm: Die Wahl-Eindhovenerin gestaltet scherenschnittartige Leuchten aus Aluminium, die sie oft aus zahlreichen Einzelteilen von Hand zusammenschraubt.

Links: Tischleuchte mit blütenförmigem Metallschirm auf schlankem Standfuß. Rechts: Skulpturale Hängeleuchte mit mehreren blütenartigen Lampenschirmen aus Metall.

Die „Convector Light Series“ der Designerin Flora Lechner. Fotos: Anastasija Mass

Von Blumen lernen: Die richtigen Farbpaletten finden

Links: Musterfliesen mit organischem, mehrfarbigem Verlaufsmuster. Rechts: Quadratische Keramikfliesen mit weichen Farbverläufen in Rot, Grün und Creme.

Fliesen der Firma Palet. Fotos: Palet.

Wer einmal gesehen hat, wie Dries van Noten durch seinen Garten schreitet ( etwa in dieser Dokumentation ), denkt beim Anblick seiner Mode unweigerlich daran. Die Illustratorin Jenny Walton schöpft ihre Inspiration aus den Farbkombinationen des Alltags und hat dafür sogar ein eigenes Wort geprägt: „Color Paletting“. Wie passend, dass auch der Name des Fliesenherstellers „Palet“ auf die Farbpalette verweist – seine lebhaften Farbkombinationen erinnern oft an Blumenarrangements.

Doppelseite eines Designbuchs mit farbigem Blumenarrangement und Farbskala am Rand.

Darroch und Michael Putnam: Flower Colour Theory. Abbildung: Phaidon

Last but not least im heutigen Bouquet ist das Buch „Flower Colour Theory“ von dem Paar Darroch und Michael Putnam, erschienen bei Phaidon. Die beiden New Yorker Floristen und Gründer des Studios Putnam & Putnam sind bekannt für ihre farbintensiven, fast malerischen Arrangements, die sie unter anderem für Modehäuser, Museen und kulturelle Institutionen realisieren. Das Kompendium aus Farben der Flora ist der bereits Nachfolger des Bandes „Flower Colour Guide“ und gibt Hilfestellung beim Erstellen von floralen Farbpaletten.

Wir wünschen ein frohes Frühlingserwachen!

Autor

the thing Agency