Florale Perspektiven
Mit Blumen arbeiten: Florale Arrangements
Arbeiten der Wiener Blumendesignerin und Floristin Alma Bektas. Fotos: Alma Bektas (links), Markus Toll (rechts).
Es gibt Elemente in der Raumgestaltung, die wie ein Katalysator wirken. Ähnlich wie das Entzünden einer Kerze erlaubt uns der klassische Blumenstrauß eine unmittelbare, zeitlich begrenzte Veränderung unserer Umgebung. Er ist das flexibelste Werkzeug für alle, die ihr Zuhause lieben, aber den ständigen Wandel suchen. Blumen sind Farbtupfer, die die Dynamik eines Raums verändern können.
Ein Blick auf die aktuellen Trends in der Floristik lohnt sich also – doch er verlangt auch kritisches Hinterfragen. „Die Konkurrenz in diesem Bereich ist enorm, und Trends verbreiten sich durch Social Media rasant“, sagt die Wiener Floristin und Blumendesignerin Alma Bektas. In den letzten Jahren etwa war es Mode, skulpturales Obst und Gemüse in florale Arrangements einzubauen – nachhaltig ist das kaum. Bektas wählt für ihre Installationen einen anderen Ansatz. Sie setzt zunehmend auf Materialien, die über die Frischezeit der Blumen hinaus bestehen: verholzte Zweige und getrocknete Pflanzenteile, ergänzt durch wenige frische Blüten. So entstehen oft raumfüllende Gebilde, die wirken, als seien sie organisch gewachsen, und ihre Betrachter:innen in surreale, rätselhafte Welten entführen.
Arbeiten von Alma Bektas. Für „Grane“ (serbisch für „Zweige“, links) arbeitete die Floralkünstlerin mit getrockneten Zweigen und Pflanzenresten sowie Metall und lebendigen Pflanzen. Fotos: Alma Bektas (links), Erli Grünzweil (rechts).
Von Blumen inspiriert: Frisches Produktdesign
Guframs Flowie erinnert an die verspielte Formensprache der 1990er-Jahre. Foto: Gufram
„Blüten? Im Frühling? Revolutionär!“, lautet ein berüchtigt-ironischer Satz aus dem Film „Der Teufel trägt Prada“. Was in der Modewelt also nur ein müdes Lächeln hervorruft, hat in Design und Kunsthandwerk eine bewegte Geschichte: Florale Ornamente, im Jugendstil gefeiert, stempelte die Moderne – allen voran Adolf Loos – als „Verbrechen“ ab. Doch dank der Postmoderne ist das Blütenzitat heute wieder im zeitgenössischen Design zurück. Daran erinnert auch der Hocker „Flowie“ von Gufram: Hier werden Erinnerungen an die verspielte Form- und Farbenwelt der 1990er-Jahre wach. Einen ganz anderen Ansatz verfolgt die Designerin Flora Lechner. Ihr Name ist Programm: Die Wahl-Eindhovenerin gestaltet scherenschnittartige Leuchten aus Aluminium, die sie oft aus zahlreichen Einzelteilen von Hand zusammenschraubt.
Die „Convector Light Series“ der Designerin Flora Lechner. Fotos: Anastasija Mass
Von Blumen lernen: Die richtigen Farbpaletten finden
Fliesen der Firma Palet. Fotos: Palet.
Wer einmal gesehen hat, wie Dries van Noten durch seinen Garten schreitet ( etwa in dieser Dokumentation ), denkt beim Anblick seiner Mode unweigerlich daran. Die Illustratorin Jenny Walton schöpft ihre Inspiration aus den Farbkombinationen des Alltags und hat dafür sogar ein eigenes Wort geprägt: „Color Paletting“. Wie passend, dass auch der Name des Fliesenherstellers „Palet“ auf die Farbpalette verweist – seine lebhaften Farbkombinationen erinnern oft an Blumenarrangements.
Darroch und Michael Putnam: Flower Colour Theory. Abbildung: Phaidon
Last but not least im heutigen Bouquet ist das Buch „Flower Colour Theory“ von dem Paar Darroch und Michael Putnam, erschienen bei Phaidon. Die beiden New Yorker Floristen und Gründer des Studios Putnam & Putnam sind bekannt für ihre farbintensiven, fast malerischen Arrangements, die sie unter anderem für Modehäuser, Museen und kulturelle Institutionen realisieren. Das Kompendium aus Farben der Flora ist der bereits Nachfolger des Bandes „Flower Colour Guide“ und gibt Hilfestellung beim Erstellen von floralen Farbpaletten.
Wir wünschen ein frohes Frühlingserwachen!
Autor
the thing Agency